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Übersichtsarbeit zu den Grundlagen

Naturmedizin 6/2022

Cannabis bei neuropathischem Schmerz

Neuropathische Schmerzen stellen eine breite Kategorie von Schmerzsyndromen mit einer Vielzahl an peripheren und zentralen Störungen dar. Cannabis-basierte Arzneimittel und medizinisches Cannabis stellen eine relativ neue Behandlungsoption dar. Wie die Evidenz für deren Wirksamkeit und Sicherheit ist, wurde nun anhand einer zusammenfassenden Auswertung von Reviews und Metaanalysen dargelegt.
Die Prävalenz neuropathischer Schmerzen in der Bevölkerung wird mit 7 % bis 10 % angegeben. Weniger als die Hälfte der Betroffenen erzielen mit den empfohlenen Pharmaka wie Pregabalin, Gabapentin, Duloxetin und trizyklischen Antidepressiva eine wesentliche Schmerzlinderung. Für die übrigen Patient:innen können Cannabis-basierte Arzneimittel (Cb-A) und medizinisches Cannabis (MC) eine Behandlungsoption sein.
Diese liegen bekanntlich in einer Vielzahl von Zubereitungen vor: als zugelassene Arzneimittel pflanzlichen oder synthetischen Ursprungs mit Tetrahydrocannabinol (THC) und/oder Cannabidiol (CBD), als Extrakte mit definiertem Molekulargehalt an THC und/oder CBD, mit einem definierten Gehalt an THC und/oder CBD sowie als Vollextrakte zusammen mit anderen Phytocannabinoiden wie Terpenen und Flavonoiden. Die Verfügbarkeit und Anwendung der verschiedenen Zubereitungen von Cb-A/MC variiert weltweit von Land zu Land erheblich.
 
Heterogene Studienlage
Die Suche nach systematischen Reviews mit Metaanalysen ergab 16 Treffer. In der Metaanalyse von Finnerup et al. (2015) und in der Analyse von länger als 4 Wochen dauernden Studien von Fisher et al. (2021) umfasste das 95 %-Konfidenzintervall für eine Schmerzreduktion ≥ 30 % die Null. 3 Metaanalysen von Dykukha et al. (2021), Mücke et al. (2018) und Petzke F et al. (2016) fanden hingegen signifikante Wirkungen von Cb-A und MC mit einer relativ günstigen ‚Number needed to treat‘ (NNT) für eine Schmerzlinderung um ≥ 30 % zwischen 6 und 14.
Auch die Daten zu Nebenwirkungen fallen sehr unterschiedlich aus: In den beiden genannten Übersichten von Dykukha et al. (2021) und Mücke et al. (2018) wurde für unerwünschte Ereignisse (UE) eine ‚Number needed to harm‘ (NNH) zwischen 12 und 25 genannt. Die NNH für psychiatrische Nebenwirkungen lag hier zwischen 8 und 10. In diesen beiden Metaanalysen unterschieden sich die Raten an schwerwiegenden UE zwischen Cb-A/MC und Placebo nicht.
Eine Wertung der methodischen Qualität der analysierten RCTs nach der GRADEEinteilung fand nur in den Arbeiten von Fisher et al. (2021) und Mücke et al. (2018) statt. Sie ergab eine schlechte bis sehr schlechte Qualität.
Quelle: Petzke F et al.: Cannabis-based medicines and medical cannabis for chronic neuropathic pain. CNS Drugs 2022; 36(1): 31-44
ICD-Codes: G62.9
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